Ob ärztliche Kunstfehler oder falsche Ärzte, Amoklauf, Klimawandel, Streik, Finanzkrisen oder Todesfallereignisse - die Reputation von Gesundheitseinrichtungen und insbesondere Krankenhäuser ist besonders bedroht. Treibende Kräfte sind dabei eine zunehmend kritische Verbraucher-Öffentlichkeit und die Individualisierung der öffentlichen Kommunikation (Web 2.0). Krisen sind ungeplant und ungewollte Prozesse, bedrohen die Unternehmensziele und sind von begrenzter Dauer und Beeinflussbarkeit mit ambivalentem Ausgang.
Eine mediale Krise ist ein plötzlicher Vorfall, der negative Medienberichterstattung in erheblichen Umfang auslöst und das Image oder die Reputation eines Unternehmens oder eine Marke erheblich gefährdet. Eine Krise ohne Plattform, ohne Medienecho ist für die Betroffenen keine Krise, sondern schlimmstenfalls eine intern zu behebende Betriebsstörung. Öffentliche, mediale Krisen sind die echten, eigentlichen Vertrauenskrisen. Entscheidungsträger haben es oft mit unvollständiger oder verfälschter Information zu tun.
Charakteristika einer Krise sind eine dringende Notwendigkeit von Handlungsentscheidungen, ein durch die Entscheidungsträger wahrgenommenes Gefühl der Bedrohung, ein Anstieg an Unsicherheit, Dringlichkeit und Zeitdruck und das Gefühl, das Ergebnis sei von prägendem Einfluss auf die Zukunft. Treibende Kräfte sind dabei eine kritische Verbraucher-Öffentlichkeit und auch die zunehmende Individualisierung der öffentlichen Kommunikation (Web 2.0). Daher ist es ein legitimes Ziel der Krisenkommunikation, die öffentliche Meinung mit Hilfe der Medien positiv zu beeinflussen.
Viele mediale Krisen erweisen sich im Nachhinein als Resultat unsauberer Recherche oder als Produkt geschickter PR-Strategien. Krisen sind das Salz in der medialen Suppe, denn diese Zutat wirkt in Zeiten der Zeitungskrise, Verschlankung von Redaktionen und Anzeigenrückgängen Auflagen steigernd, Reichweiten erhöhend, Quoten treibend. Zählte einst die Vermittlung von Inhalt und Fakten, sind heute tendenzielle Skandalisierung, Simplifizierung, Verzerrung und Dramatisierung in Folge des Kampagnenjournalismus oft tonangebend. Massenmedien wollen nicht bilden sondern unterhalten, Krisen sind dabei willkommen.
Obwohl die Krisentypen und Krisenverläufe über die Jahrzehnte recht konstant geblieben sind und eine zunehmende Professionalisierung in der Krisenkommunikation festzustellen ist, unterlaufen Führungskräften bei der Krisenbewältigung immer wieder die gleichen Fehler. Mediale Krisen verselbstständigen sich bei fehlerhaftem Krisenmanagement, schlechter Vorbereitung und mangelhafter Kommunikation durch ihr rasantes Tempo. Eine Krise schwillt schnell zu einer Katastrophe an. Langfristig droht nachhaltiger Schaden für Marke, Image und Reputation.
Eine Nachricht, ein Gerücht kann sich genauso wie ein Virus verbreiten. Den kritischen Moment in einer Epidemie, wenn alles kippen kann, bezeichnet man als Tipping Point. Gerade im Krisenfall steigt die Zahl der Anfragen und zu bewältigenden Aufgaben so rapide an, dass eine zeitnahe Bearbeitung nicht mehr möglich ist. Widersprüchliche, ambivalente oder irrelevante Botschaften geben Raum für neue Spekulationen und weitere Verunsicherung. In Krisenzeiten verknappen sich stets wichtige Ressourcen. Im Fall einer Krise werden nicht nur Zeit und Information knapp, auch Krankenhausbetten, Beatmungsgeräte, arbeitsfähiges Personal, Impfstoffdosen usw. verknappen sich dramatisch.
Eine erfolgreiche Krisenkommunikation ist vergleichbar mit einer Großbrandbekämpfung: der Brandherd ist möglichst schnell zu löschen, mit möglichst geringen Schaden. Krisen kommen immer zum falschen Zeitpunkt, unvermutet, hochgefährlich und am falschen Ort, nämlich da wo man sich schlecht auskennt. Erstreaktionen am Brandherd sollten bereits binnen zwei Stunden erfolgen, um noch die Meinungsbildung mitzugestalten, frühzeitig Themen zu besetzen und den Negativtrend zu stoppen. Durch das enorme Tempo in den Medien stellen sich bereits binnen 24 Stunden die Weichen, ob die mediale Krise beherrscht wird. Aktivitäten im Bereich der Krisenkommunikation sollten daher frühzeitig eingeleitet werden, dazu zählen u.a. der Ausbau einer entsprechend qualifizierten Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Krisenplan, Medientraining und die Beauftragung von spezialisierten Fachkräften. |