Agentur für Krisenkomunikation
KrisenmanagementKrisen PRKrisenberatungKrisenberaterKrisenintervention

mediXtra - Agentur für Krisenkommunikation

Agentur für Krisenkommunikation, Krisen-PR und Krisenintervention


Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei krisenhaften Entwicklungen und Strukturwandel - Pressespiegel - Ausschnitte aus Tageszeitungen

Krisenmanagement: Krisenkommunikation in der Insolvenz - Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Konkursverfahren - Pressespiegel - Ausschnitte aus Tageszeitungen


Journalismus in Krisenregionen - Interview bei der Bundeswehr

Impressum und Referenzen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diese Seite weiterempfehlen -
E-Mail-Adresse des Empfängers:


-


BSE-Erkrankung: Filmsequenz aus dem BSE-Informationsfilm für VeterinäreBSE-Erkrankung: Filmsequenz aus dem BSE-Informationsfilm für Veterinäre

CHRONIK DER BSE-KRISE

Seit Mitte der 1980er Jahre ist BSE (bovine spongiforme Enzephalopathie) immer wieder in den Schlagzeilen. Die Epidemie hatte in mehreren Ländern seither erhebliche wirtschaftliche, politische sowie auch medizinische Auswirkungen. Im November 2000 begann sich die BSE-Krise zuzuspitzen. Über Jahreswechsel traute sich kaum einer, Rindfleisch zu essen. Die Krise gipfelte schließlich mit dem Rücktritt des Bundeslandwirtschaftsministers und der Bundesgesundheitsministerin am selben Tag. Ein Rindfleischmarkt existierte nach der Krise in Deutschland kaum noch. Die BSE-Krise entwickelte sich zum medialen Selbstläufer, durch immer neue Aussagen, Schlagzeilen, Spekulationen usw. wurde das "Futter" für eine reißerische Berichterstattung geliefert.

Seit der BSE-Krise Ende 2000 sind die Herkunft von Lebensmitteln, deren Zusammensetzung und Verarbeitung verstärkt ins Licht der öffentlichen Beachtung gerückt. Die BSE-Krise ist eindrucksvolles Beispiel, wie Krisen enorme ökonomische Verluste nach sich ziehen können, die Reperaturkosten für Marktstützung, Entschädigung, Entsorgung, Tests und Forschung gehen in die Milliarden Euro.

Erinnern Sie sich? Wir haben hier die wichtigsten Daten einer Krise zusammentragen...

BSE-Erkrankung: Filmsequenz aus dem BSE-Informationsfilm für VeterinäreBSE-Erkrankung: Filmsequenz aus dem BSE-Informationsfilm für Veterinäre

BSE-Erkrankung: Filmsequenz aus dem BSE-Informationsfilm für VeterinäreBSE-Erkrankung: Filmsequenz aus dem BSE-Informationsfilm für Veterinäre

1732

Zum ersten Mal wird in der Medizinwelt eine Krankheit erwähnt, die als "Traberkrankheit der Schafe" bezeichnet wird. Ihr wissenschaftlicher Name ist "Scrapie". Es handelt sich um eine tödlich verlaufende Hirnerkrankung, der Schafe und Ziegen zum Opfer fallen. Man stellt fest, dass die Krankheit sowohl horizontal - also von Tier zu Tier - als auch vertikal - von Muttertier zum Lamm - übertragen werden kann.

1883

In Frankreich wird zum ersten Mal durch einen Tierarzt der Fall eines taumelnden Rindes beschrieben.

1920

Der Kieler Neurologe Hans-Georg Creutzfeldt (1885–1964) und der Hamburger Neurologe Alfons Jakob (1884–1931) beschreiben 1920 erstmals die später nach ihnen benannte, absolut tödliche Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK oder englisch CJD) des menschlichen Gehirns.

Die klassische CJD beim Menschen gehört zur der gleichen Gruppe von Erkrankungen, wie sie auch bei verschiedenen Tierarten (zum Beispiel Scrapie beim Schaf) ebenfalls seit langer Zeit bekannt sind. Diese Krankheitsgruppe wird als TSE (= transmissible [übertragbare] spongiforme encephalopathies) bezeichnet.

Alle diese Erkrankungen führen bei den Betroffenen zu einer fortschreitenden Zerstörung des Gehirngewebes. Heute ist man fast einstimmig der Auffassung, dass die CJK durch ein bestimmtes Protein (Eiweiß) verursacht wird, das Prion-Protein genannt wird und das in seiner gesunden Form ein normaler Bestandteil der Nervenzelle ist (PrPc).

Im Gegensatz zur normalen, gesunden Form des Prion-Proteins ist das "kranke" Prion (PrPsc) in seiner Form verändert, nämlich anders gefaltet, und zwingt den benachbarten "gesunden" Prion-Proteinen seine Veränderung auf. Auf diese Weise schreitet die "Infektion" fort und macht sich erst durch die Ausbildung neurologischer Symptome bemerkbar. Die Infektiösität der "kranken" Prione ist nicht mit derjenigen von Viren vergleichbar und führt nach derzeitigem Wissensstand auch zu keiner Abwehrreaktion des Körpers, wie Fieber oder Lymphschwellungen.


BSE Krise Dokumentation

1950

Der amerikanische Kinderarzt und Virologe Carleton Gajdusek erforscht auf Papua-Neuguinea eine Krankheit namens "Kuru", an der jährlich Hunderte Menschen sterben. Als Auslöser erkennt er rituellen Kannibalismus, bei dem das Gehirn der Verstorbenen verspeist wird. Diese dritte Form wird durch Infektion von außen erworben. Heute sind mehr als 2.500 Kuru-Erkrankungen beschrieben.

1970

In Großbritannien sind rund 100.000 Schafe an der Traberkrankheit (Scrapie) - einer Prionenkrankheit - erkrankt. Sie werden getötet und zu Tiermehl verarbeitet, das als Kraftfutter an Rinder verfüttert wurde. Das Tiermehl enthielt aber die krankmachenden Scrapie-Prionen.

22.12.1984

Auf der Stent Farm in Sussex erkrankt die "Kuh 133". Sie torkelt und stirbt nach 6 Wochen. 7 Monate später lautet die Diagnose "Spongiforme Enzephalopathie".

11.02.1985

Auch andere Kühe zeigen die gleichen Symptome. Die BSE- Epidemie hat begonnen.

April 1985

Auch in der Grafschaft Kent in England treten die ersten BSE-Fälle bei Rindern auf. Erst nach weiteren 20 Monaten werden Notschlachtungen angeordnet.

1986
Britische Forscher erkennen in den torkelnden Rindern eine neue Krankheit. Sie nennen die Rinderkrankheit "Bovine Spongiforme Enzephalopathie" (BSE).

BSE Krise

November 1986

In Großbritannien wird der erste offizielle Fall einer an BSE-erkrankten Kuh verzeichnet.

Juni 1987

Nachdem in Großbritannien 4 Rinderherden von BSE befallen sind, alarmiert das Central Veterinary Office das britische Landwirtschaftsministerium (MAFF).

November 1987

Im Tierexperiment gelingt die Übertragung von BSE auf Mäuse. Damit kann ein Überspringen der Artenschranke nicht mehr ausgeschlossen werden.

Dezember 1987

Wissenschaftliche Untersuchungen lassen vermuten, dass das in großen Mengen verfütterte Tiermehl die BSE-Infektionsquelle ist.

Mai 1988

Die britische Regierung gibt den "Southwood-Report" in Auftrag, in dem die Folgen von BSE für die menschliche Gesundheit beurteilt werden sollen. Im Februar 1989 liegt dieser Report vor.

Juli 1988

Eine staatliche MAFF-Studie erkennt, dass das Verfütterns von eiweißreichen Tiermehlen (von Rinder- und Schafs-Kadavern) die mögliche Ursache von BSE ist und verbietet die weitere Verfütterung.

August 1988

Der britische Landwirtschaftsminister John MacGregor ordnet an, dass Rinder mit akuten BSE- Symptomen (Gleichgewichtsstörungen, Krämpfe) getötet werden. Das Rindfleisch aller anderen evtl. BSE- infizierten Tiere kommt weiterhin in den Handel. Einen BSE-Test gibt es noch nicht.

BSE Krise Dokumentation

1988

Die USA erlassen ein Importverbot für britisches Rindfleisch. In Großbritannien sind bereits 2.100 Rinder verendet.

Januar 1989

Irland meldet den ersten BSE-Fall.
 

Februar 1989

Der britische Southwood-Report liegt vor. Er gibt das BSE- Risiko für den Menschen als "verschwindend klein" an. In Babynahrung sollten jedoch künftig keine Rinderinnereien mehr verwendet werden.

Mai 1989

Deutschland stoppt den Import von Tiermehlen aus Großbritannien.

Juli 1989

Die EU spricht ein Exportverbot für britische Rinder und Kälber von BSE-verdächtigen Kühen aus, die vor dem 18. Juli 1988 geboren wurden.

1989

Die britische Regierung erlässt ein Massenschlachtungsprogramm für alle verdächtigen Rinder. Dennoch landet das Rindfleisch vieler infizierter Tiere weiterhin beim Verbraucher, da die Regierung für jedes bestätigte BSE-Tier nur 50 % bezahlt und die Bauern das Verbot umgehen. Erst ab 1990 zahlt die Regierung dann 100 %.

November 1989

Dr. Robert Perry, britischer Neuropathologe, entdeckt die Übertragbarkeit von BSE auch auf den Menschen.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für die Klinik Bavaria

1990

10.000 britische Rinder sind bisher an BSE erkrankt. Die EU-Kommission verbietet die Ausfuhr von britischen Kälbern in andere Länder.

1990

In Großbritannien erkranken jetzt bis zu 300 Rinder jede Woche an der BSE-Seuche.

6. März 1990

Die EU schreibt eine Meldepflicht für alle BSE-Fälle vor. Außerdem verfügt sie ein Exportverbot für britische Rinder, die älter als 6 Monate sind.

1. Juni 1990

Deutschland spricht ein totales Importverbot für lebende britische Rinder aus. Die Einfuhr von Rindfleisch bleibt weiterhin erlaubt. Wissenschaftler zeigen die orale Übertragbarkeit von BSE auf Mäuse. Es wird immer wahrscheinlicher, dass auch Menschen durch den Verzehr infizierter Rindfleischprodukte erkranken können.

Dezember 1990
Die EU-Kommission verbietet für Rinder, Schafe und Ziegen die Verfütterung von Tiermehlen, da diese den BSE-Erreger enthalten können (The Ban).

Chronik BSE Krise

Februar 1991

Auch Frankreich hat seinen 1. BSE-Fall. Später folgen, Portugal, Belgien, Dänemark und im Jahr 2000 auch Deutschland. Das Internationale Tierseuchenamt (OIE -Office International des Epizooties) in Paris führt die offizielle BSE-Statistik.

1992

Deutschland meldet den 1. BSE-Fall. Das Rind kam aus Großbritannien. In Tübingen wird von der Bundesregierung in der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere (BFAV) das nationale Referenz- Zentrum (Labor) für BSE und Scrapie eingerichtet. Es spricht die amtliche Bestätigung von in Deutschland auftretenden BSE- Fällen aus. In GB sterben jeden Monat mehr als 2.500 Rinder an BSE, im ganzen Jahr 1992 sind es 37.280. Damit erreicht die BSE-Seuche hier den Höhepunkt.

1994

Die Forschung beweist, dass BSE bei Rindern auch durch die Nahrungsaufnahme übertragen werden kann. Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) fordert, die Einfuhr von britischem Rindfleisch zu verbieten, um "das nicht zu verantwortende Experiment am Menschen" zu beenden. Die EU-Minister sind dagegen.

Juni 1994

Einige deutsche Bundesländer erlassen ein Schlachtverbot für importierte britische Rinder, die älter als 6 Monate sind.

27. Juni 1994

Die EU verbietet die Verfütterung von "aus Säugetiergewebe gewonnenen Futtermitteln" (Tiermehl) an Wiederkäuer (The Real Ban).


BSE Krise Dokumentation

 

Mai 1995

Stephen Churchill, 19 Jahre, ist das 1. BSE-Opfer in Großbritannien. Er stirbt an einer neuen Variante der tödlichen Creutzfeldt-Jakob- Krankheit. James Ironside, Pathologe an der CJD- Überwachungsstelle in Edinburgh, nennt die neue tödliche Hirnkrankheit, die alle Neuronen zerstört, "new variant CJD" (nvCJD).

Dezember 1995

Im Bundesrat wird ein totales Importverbot für britische Rinder beschlossen.

16. März 1996

Frankreich und Belgien verbieten den Import von britischen Rindern und Rindfleisch. Nach Zögern verfügt auch die Bundesregierung ein vorläufiges Total-Importverbot für britische Rinder und Rindfleisch.

27. März 1996
Die Europäische Kommission verbietet zum Schutz der Verbraucher weltweit den Export von britischen Rindern, Rinderprodukten und britischem Tiermehl.

In einer Pressemitteilung sieht das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz (BgVV) einen Zusammenhang zwischen Rinderwahnsinn und der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, und warnt: "Dem Verbraucher wird empfohlen, sich beim Kauf von Fleisch und Fleischprodukten nach dem Herkunftsland zu erkundigen und auf den Verzehr bei unsicherer Herkunft vorsorglich zu verzichten..."

April 1996

Die EU verpflichtet Großbritannien zur Vernichtung aller Rinder, die älter als 30 Monate sind. Die Zahl wird auf 4 Millionen Tiere geschätzt.

April 1996

Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert (CDU) sagt, er könne nun für die deutschen Verbraucher "BSE-Entwarnung" geben: "Deutsches Rindfleisch ist sicher."

18. Juli 1996

Die EU schreibt vor, alle Tierabfälle für die Verarbeitung beispielsweise zu Tiermehl 20 Minuten lang einem Druck von 3 Bar bei einer Temperatur von 133 Grad Celsius auszusetzen, um die Prionen (BSE- Erreger) zu zerstören.

BSE Krise Dokumentation
Dezember 1996

Die EU-Kommission scheitert mit dem Beschluss, EU-weit die Risikomaterialien von Rindern, Schafen und Ziegen wie Hirn, Rückenmark und Milz nicht mehr zu Lebensmitteln und Tierfutter zu verarbeiten. Sie kommen also weiterhin u. a. in die Wurst.

25. Februar 1997

Großbritannien beantragt die Aufhebung des Exportverbots für Rinder aus BSE- freien Herden in Schottland und Nordirland.

März 1997

Die Bundesländer stimmen zu, alle 5.200 aus Großbritannien und der Schweiz importierten Rinder, die auf deutschen Weiden stehen, zwangsweise schlachten zu lassen.

Juli 1997

Wissenschaftler des Instituts für Tiermedizin in Newbury legen in der Zeitschrift Nature erste Beweise für die Übertragbarkeit von BSE auf den Menschen vor.

25. September 1997

Die Zeitschrift Nature (Volume 389, No. 6649, Seite 498-501) publiziert den ersten Indizien-Beweis dafür, dass die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob- Krankeit (nvCJD) beim Menschen durch infektiöse BSE-Prionen verursacht wird.

23. April 1998

Einführung von BSE-Schnelltests durch die EU.

1. März 1999

Nordrhein-Westfalens Umweltministerin Bärbel Höhn (Die Grünen) startet einen BSE-Massentest in Schlachthöfen an Rhein und Ruhr. Bis Juni 2000 werden 5.000 Schlachtrinder mit dem Prionics- Schnelltest untersucht, wobei sich allerdings kein Hinweis auf BSE in Deutschland ergibt.

1. August 1999

Die Europäische Union hebt das totale Exportverbot für britisches Rindfleisch auf.

Journalimus in Krisenregionen

Januar 2000

In Zürich wird die dreidimensionale Struktur des menschlichen Prion-Proteins entschlüsselt.

30. April 2000

Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke (SPD) sagt im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF): "Deutschland ist BSE-frei."

Mai 2000

Die EU-Kommission kündigt an, EU-weit das Risikomaterial bei allen geschlachteten Rindern entfernen und vernichten zu lassen. Im Oktober 2000 soll die EU-Direktive in Kraft treten.

5. Juni 2000

Die EU erläßt die Verpflichtung zu verstärkten BSE- Schnelltests vom 1. Januar 2001 an. Vorgeschrieben sind Stichproben nur bei Tieren, die auf Bauernhöfen verendet sind, bei Notschlachtungen oder Tieren mit Verhaltensauffälligkeiten.

Chronik der BSE-Krise - Prionen

29. Juni 2000

Die EU schreibt vor, so genannte BSE-Risikomaterialien wie Hirn, Augen und Rückenmark vom 1. Oktober 2000 an zu vernichten, damit möglicherweise enthaltene Prionen (BSE-Erreger) nicht in die Futter- und menschliche Nahrungskette gelangen können.

1. September 2000

Die EU-Verordnung der Rindfleisch- Etikettierung tritt in Kraft. Verbraucher können danach bei jedem gekauften Stück Rindfleisch erkennen, wo das Tier geschlachtet und zerlegt wurde, nicht aber wo das Rind geboren und aufgewachsen ist. Außerdem gilt die Verordnung nicht für Fleischprodukte wie Wurst.

1. Oktober 2000

Die EU-Direktive tritt in Kraft: Risikomaterial von Rindern, Schafen und Ziegen darf EU-weit nicht mehr für Nahrungs- und Futtermittel verwertet werden und muss vernichtet werden.

20. November 2000

Der deutsche Agrarminister Karl-Heinz Funke (SPD) sagt anläßlich des in Brüssel tagenden EU-Agrarministerrats: "Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass deutsches Rindfleisch sicher ist."

BSE Krise im Rückblick

22. November 2000

Bundesernährungsminister Karl-Heinz Funke (SPD) versichert: "Es gab bisher keinen einzigen originären BSE-Fall in unserem Land. Die Verbraucher können nach wie vor, ohne Angst um ihre Gesundheit haben zu müssen, deutsches Rindfleisch essen."

24. November 2000

Deutschland ist nicht mehr BSE-frei! In Schleswig-Holstein wird der erste originäre deutsche BSE-Fall entdeckt und offiziell bekannt gegeben. Die Kuh wurde 1996 in Schleswig-Holstein geboren und wuchs dort auch auf. Tiermehl soll auf dem Bauernhof nie verfüttert worden sein. Alle 160 Rinder der Herde werden getötet und vernichtet. Das nationale Referenz-Labor in Tübingen bestätigt den ersten BSE-Fall eines in Deutschland geborenen und aufgewachsenen Rinds amtlich. Die Bundesregierung beschließt ein totales Tiermehl- Verbot.

Aus der "Zeit" vom 30.11.2008:
"Am 24.11.2000 um 0.15 Uhr beschlich Finn Zedler ein ungutes Gefühl. Als er sich über den Leuchttisch in seinem Labor beugte, möchte der Biologe von der Hamburger Artus GmbH kaum glauben, was er vor sich sah. Aber die dunklen Partien auf dem belichteten Film ließen keinen Zweifel zu: Im Hirn des Rindes hatte sich der Erreger für BSE breit gemacht...Um 3.20 Uhr rief ein erschrockener Veterinär zurück. Das erste deutsche BSE-Rind war aktenkundig... Ein einziges Rind brachte zustande, was Hunderte von Experten und die EU nicht vermocht hatten: Deutsche Politiker erwachten aus dem Schlaf der Selbstgerechten..."

28. November 2000

Pressemitteilung des BgVV:" BSE: Keine absolute Sicherheit für den Verbraucher - wer kein Restrisiko eingehen will, muss Fleisch meiden."

2. Dezember 2000

Das Gesetz zum Verbot der Tier- und Knochenmehl- Verfütterung tritt in Kraft. In nur 5 Tagen wurde das Gesetz formuliert, vom Parlament beraten, vom Bundestag und Bundesrat beschlossen, vom Bundespräsidenten geprüft, unterschrieben und verkündet.

Der Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke (SPD) kündigt in Bonn an, noch im Dezember 2000 solle in seinem Ministerium eine neue Abteilung "Verbraucherschutz, Lebenmittelsicherheit und Veterinärfragen" eingerichtet werden.

Demo gegen BSE Krise

4. Dezember 2000

Der EU-Agrarministerrat beschließt ein generelles Verfütterungsverbot von Fleisch- und Knochenmehlen (MBM) ab 1. Januar 2000. Das Verbot gilt aber nur befristet für 6 Monate. Fischmehl und tierische Fette dürfen weiterhin an Schweine, Geflügel und Fische verfüttert werden.

6. Dezember 2000

In Deutschland beginnen die verbindlichen BSE-Tests. Alle Schlachtrinder, die älter als 30 Monate sind, sowie notgeschlachtete Rinder werden auf BSE untersucht.

16. Dezember 2000

Aus Sulzberg im Oberallgäu wird der erste bayerische BSE-Fall gemeldet. Die 1995 geborene Kuh stammt aus einem bäuerlichen Familienbetrieb.

BSE-Krise: Proteste in Berlin

19. Dezember 2000

Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) hält deutsche Wurst für sicher. Nur einen Tag später allerdings empfiehlt die Gesundheitsministerin eine Rückrufaktion älterer Wurstprodukte, da diese BSE-Risikomaterialien (Separatorenfleisch) enthalten könnten.

31. Dezember 2000

In Großbritannien wurden im Jahr 2000 bis zum 31. Oktober 1101 BSE-Fälle registriert. Noch immer werden rund 25 BSE-Rinder pro Woche entdeckt.

4. Januar 2001

Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) will die BSE-Tests auf jüngere Schlachtrinder ausweiten und die Altersgrenze von 30 auf 24 Monate senken.

9. Januar 2001

In Deutschland sind insgesamt 10 originäre BSE-Fälle amtlich bestätigt, 6 davon in Bayern, 2 in Niedersachsen und 2 in Schleswig- Holstein. In Deutschland gibt es die ersten "politischen BSE-Opfer": Die Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) und Bundesernährungsminister Karl-Heinz Funke (SPD) treten zurück.

10. Januar 2001

Aus dem bisherigen Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (BMLF) wird das neustrukturierte Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Erste deutsche Verbraucherschutz-Ministerin wird die Juristin Renate Künast (Grüne): "Die Zukunft der deutschen Landwirtschaft liegt fest in der Hand der Verbraucher".

13. Januar 2001

Die Süddeutsche Zeitung titelt: "Nur Vegetarier leben sicher"...

26. Januar 2001

Als Konsequenz der sich ausbreitenden BSE-Krise müssen Schlachtrinder in Deutschland künftig schon ab einem Alter von 24 Monaten auf BSE getestet werden. Bundesverbraucherministerin Renate Künast (Grüne) hat eine entsprechende Verordnung unterzeichnet, die ab dem 1. Februar 2001 in Kraft tritt.

28. Januar 2001

Die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) berichtet: "2,4 Millionen Deutsche sind wegen der BSE-Krise zum Vegetarier geworden."

30. Januar 2001

Die EU-Agrarminister lehnen bei ihrer Sitzung BSE-Pflichttests für jüngere Rinder nach deutschem Vorbild ab. Trotz des Alleinganges muss Deutschland den Import ungetesteter Rinder zulassen, die jünger als 30 Monate sind. Das ist die Pflichtgrenze in der EU.

BSE-Krise euopaweit im Jahr 2001

31. Januar 2001

Aus wirtschaftlichen Gründen beschließt die Regierung die Vernichtung von 400.000 Rindern in Deutschland. Sämtliche Tiere sollen auf BSE untersucht werden. Mit der Massentötung soll der praktisch zusammengebrochene Rindfleischmarkt entlastet werden. EU-weit sollen etwa 1,5 bis 2 Millionen Rinder, die älter als 30 Monate sind, vernichtet werden. Die gesamte Aktion wird nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums bis zu 647 Millionen Mark kosten.

4.Februar 2001

Die bundesweit erste Tötung einer Rinder-Großherde aufgrund eines BSE-Falls im Süden von Sachsen-Anhalt wird abgeschlossen. Lediglich drei Tiere wurden für wissenschaftliche Untersuchungen am Leben gelassen. Im Vorfeld der Massenschlachtung hatte es zahlreiche Proteste gegeben.

19.Februar 2001

Als erstes Unternehmen aus der fleischverabeitenden Industrie startet die Westfälische Privatfleischerei Reinert eine langfristig erfolgreiche PR-Kampagne mit Broschüren mit Verbraucherinformationen, Infoständen in Supermärkten und Pressearbeit über die eigenen Produkte in punkto Inhaltsstoffe und Qualitätskriterien von Wurstwaren. Schwerpunkte sind eindeutige Kennzeichnung von Lebensmitteln und wirkungsvolle Kontrollketten zum Schutze der Verbraucher. Mit der Kampagne kann wieder eine Absatzsteigerung erzielt werden. Die PR-Arbeit ermöglicht alleine über 50 TV-Beiträge (u.a. Sat 1, N24).

5. September 2001

Das neue, von Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast initiierte und von einer großen Allianz aus Handel, Verbänden und Politik im Mai 2001vereinbarte Bio-Siegel für Produkte des ökologischen Landbaus ist da. Marken-rechtlich bereits abgesichert, kann es sofort von allen Erzeugern, Verarbeitern und dem Handel zur Kennzeichnung von Lebensmitteln genutzt werden, die nach den streng kontrollierten Standards der EG-Öko-Verordnung produziert werden.

Künast bezeichnet das neue Bio-Siegel es als "ein wichtiges Signal der Agrarwende", das einen wesentlichen Beitrag dazu leisten könne, die angestrebte Ausweitung des ökologischen Landbaus auf rund 20 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche bis zum Jahr 2010 zu erreichen. Denn das Zeichen schaffe Transparenz und Sicherheit beim Kauf von Öko-Ware und "ist damit ein herausragendes Angebot an die Verbraucherinnen und Verbraucher, die Bio-Lebensmittel schnell und eindeutig von anderen unterscheiden wollen", so die Verbraucherschutzministerin.


BSE Krise Dokumentation

24.November 2001

Ein Jahr nach der ersten BSE-Meldung am 24. November 2000 sind nach Auffassung der Verbraucher-Initiative zahlreiche Veränderungen bei der Seuchenbekämpfung und bei der grundsätzlichen Weichenstellungen in der Agrar- und Verbraucherpolitik feststellbar.

Ein Jahr nach dem ersten deutschen BSE-Fall liegt auf den Tellern der Verbraucher auch wieder Rindfleisch. Viele hatten zuvor zur Jahreswende 2000/2001 auf Fleisch verzichtet. Das betraf - dem Anlass entsprechend - besonders drastisch das Rindfleisch. Inzwischen sieht es jedoch so aus, als würden sich die Verbraucher zu den Feiertagen am Ende dieses Jahres fast so verhalten wie in den Jahren vor BSE. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Marktforschungsunternehmen GfK in Nürnberg.

Auf den Genuss anderer Fleischsorten verzichten die Verbraucher jedoch deutlich weniger. So wurde beispielsweise Schweinefleisch trotz der Berichte über Maul- und Klauenseuche unvermindert weiter konsumiert. Der Verbraucher hat sogar mehr davon gekauft als im Jahr zuvor. Der Absatz von Wurstwaren litt jedoch unter der Diskussion um BSE. Die Reaktionen der Verbraucher waren allerdings weit weniger intensiv als beim Fleisch. Zwar blieben Leberwurst und Salami Anfang des Jahres häufig in den Geschäften liegen. Aber das ist längst vergessen. Inzwischen sind die Verbraucher zu ihren ursprünglichen Gewohnheiten zurückgekehrt, teilt die GfK in Nürnberg mit.

11. Dezember 2001

Die Universität Gießen beantragt die Zulassung eines BSE-Lebendtests.

1. Januar 2002:

Die 2. Stufe der europäischen Rindfleischetikettierungs-Verordnung tritt in Kraft: Danach muss zusätzlich zu der schon obligatorischen Angabe des Ortes der Schlachtung und Zerlegung (Name des Mitgliedsstaates) jetzt auch Angaben zum Geburts- und Mastland erfolgen.


Juni 2005
Weltweit wurden über 150 Fälle von vCJD gezählt - die meisten davon in Großbritannien. Von weiteren Fällen wurde in Irland, Italien, Japan, Kanada und den USA berichtet.

Mit dem ersten Auftreten der Variante der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung (vCJD) im Jahr 1996, wurde immer wieder die Frage nach der Möglichkeit der Übertragung des Erregers durch Blut- oder Plasmaprodukte diskutiert. Nach bisherigen Theorien steht das Auftreten von vCJD ursächlich mit der bovinen spongiformen Enzephalopathie (BSE) im Zusammenhang.

Nahezu 100 Fälle wurden durch humanes Wachstumshormon verursacht, das aus Prion-kontaminierten Hypophysen hergestellt worden war. Etwa 100 Fälle sind auf neurochirurgische Manipulationen oder Dura-Transplantate zurückzuführen. Bei den infektiös-erworbenen Formen sind Inkubations-Zeiten zwischen wenigen Jahren und mehr als 4 Dekaden beobachtet worden.

Auf Befürchtungen, dass der Erreger durch Blutspenden übertragen werden könnte, wurde durch das Paul-Ehrlich-Institut frühzeitig reagiert, in dem zum Beispiel angeordnet wurde, dass Personen, die sich zwischen 1980 und 1996 kumulativ länger als 6 Monate im Vereinigten Königreich aufgehalten hatten, in Deutschland kein Blut mehr spenden dürfen. Eine weitere Sicherheitsmassnahme ist die seit Oktober 2001 angeordnete Leukozyten-Depletion von Erythrozyten- und Thrombozytenkonzentaten.

Aufgrund jahrzehntelanger Erfahrungen kann inzwischen davon ausgegangen werden, dass die klassische Form der CJD nicht durch Blut oder Blutprodukte übertragen werden kann. Aus diesem Grunde erfolgen international seit kurzem keine Chargen-Rückrufe mehr von Plasmapräparaten, falls einer der Spender in der Folge an der klassischen Form der CJD erkrankt. Unklar ist derzeit, ob vCJD durch Blut oder Blutprodukte übertragen werden kann.

Bisherige Untersuchungen in verschiedenen Tiermodellen weisen bereits zwar darauf hin, dass geringe Mengen der BSE-Prionen im Blut vorkommen können, sind jedoch insgesamt nicht schlüssig. Im Vereinigten Königreich wurde ein intensiven Kontrollsystem aufgebaut, um frühzeitig Hinweise auf mögliche vCJD-Übertragungen zu erfassen. So wurde kürzlich 2 ältere Patienten mit vCJD identifiziert, die Erythrozyten-Konzentrate von Spendern erhalten hatten, die später an vCJD verstorben waren.

Auch die beiden Empfänger der Blutprodukte sind inzwischen verstorben. (The Lancet 363:417-421 (2004); The Lancet 364:527-529 (2004). Damit mehren sich die Hinweise, dass vCJD nicht nur über die Nahrungsmittelkette, sondern möglicherweise auch durch Blut übertragen werden könnte. Diese beiden Fälle haben inzwischen dazu geführt, dass ca. 4000 Patienten, die meisten davon Patienten mit Hämophilie A, im Vereinigten Königreich angeschrieben und auf ein erhöhtes Risiko der vCJD durch Blutprodukte hingewiesen wurden (British Medical Journal, 25.09.2004). Diese Patienten hatten Plasmaprodukte erhalten, für deren Herstellung Plasma von Spendern eingesetzt worden war, die nach der Spende an vCJD erkrankt und verstorben waren.

Die Reaktion der deutschen Behörden auf diese neuen Erkenntnisse bleibt jetzt abzuwarten. Vermutet werden, dass eine Anordnung erlassen werden wird, die Personen, die nach 1980 selbst eine Blutspende erhalten haben, zukünftig vom Spenden ausgeschlossen werden. Nach Schätzungen wurde diese Regelung etwa 4 % der Blutspender betreffen.

Zwischen der klassischen Form und der Variante der CJD bestehen eine Reihe von Unterschieden. Während der Altersgipfel bei der sporadischen Form der CJD um die 60 Jahre liegt, ist der Todeszeitpunkt von Patienten mit vCJD, ausgegehend von den Befunden aus dem Vereinigten Königreich, zwischen 20 bis 40 Jahren. Für die Frühdiagnostik ist wichtig, dass die ersten Krankheitssymptome bei vCJD unspezifische, psychiatrische Beschwerden sind, wohingegen bei der sporadischen Form der CJD neurologische Symptome im Vordergrund stehen.

Daher wurde die Erkrankung bei den ersten vCJD-Patienten im Vereinigten Königreich zunächst als psychiatrische Störung eingeordnet. Erst mit weiteren Auftreten von neurologischen Symptomen wurde die eigentliche Erkrankung erkannt. Zu Beginn der Erkrankung fallen persistierende psychiatrische Symptome auf. Dabei handelt es sich meist um unspezifische depressive Beschwerden, Ängste, Wahnvorstellungen, Apathie und sozialen Rückzug. Auch kommt es zu kognitiven Beeinträchtigungen. In der Folge treten anhaltende Gliederschmerzen, Parästhesien oder Dysästhesien sowie gelegentlich Dysarthrie, Dysgeusie oder ophthalmologische Symptome wie Verschwommensehen und die Wahrnehmung von Doppelbildern hinzu.

Nach bisherigen Beobachtungen treten die ersten neurologischen Symptome 6 bis 8 Monate nach dem Beginn der psychiatrischen Phase der Erkrankung auf. Mit Variationen des initialen Krankheitsverlaufs ist jedoch zu rechnen. Mit dem Einsetzen der neurologischen Symptome kommt es zur Ataxie, unwillkürlichen Bewegungen (wie z. B. Myoklonien), Chorea-ähnlichen Bewegungen und dystonen Störungen, Gangunsicherheit und Fallneigung.

Im Endstadium der vCJD ähnelt das Krankheitsbild dem der sporadischen CJD mit einer progredienten Abnahme der kognitiven Funktionen, was schließlich in einen Zustand völliger Hilflosigkeit und oftmals in einen akinetischen Mutismus übergeht. Eine Auswertung der bisherigen Krankheitsverläufe geht von einer Zeitspanne zwischen Erkrankungsbeginn und Tod von durchschnittlich 14 Monate aus.

In Deutschland besteht nach dem Infektionsschutzgesetz §6, Abs. 1, Zi. 1d, für den Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie den Tod eine Meldepflicht für humane spongiforme Enzephalopathien (ausser familiär-hereditäre Formen).

2005

Über die Ursachen, die zum Auftreten von BSE führten, gibt es mehrere Theorien. Erklärt wird dies durch einen extrinsischen Ursprung, d. h. eine Übertragung durch eine andere Tierspezies (Schaf, Wildtiere) oder den Menschen, oder eine intrinsische Ursache, z. B. eine spontane Mutation.

Eine neue, aufsehenerregende Untersuchung, die jetzt im renommierten Wissenschaftsjournal "The Lancet" publiziert wurde, diskutiert die Möglichkeit, dass das Auftreten von BSE durch menschliche Leichenteile oder Gewebe verursacht worden sein könnte. Hintergrund ist die Tatsache, dass Tiermehl, das in den 1960er und 1970er Jahren in Südostasien hergestellt wurde, menschliche Knochen und Weichteile von Leichen enthielt. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass auf diesem Wege Gewebsmaterial von Menschen, die an einer transmissiblen spongiformen Enzephalopathie, dass heisst einer Creutzfeldt-Jakob-artigen Erkrankungen, verstorben waren, in das Tierfutter gelangt ist.

Dass es sich bei den Funden von menschlichen Knochen im Tiermehl um keinen Sonderfall handelt, belegen Berichte aus dem Jahr 1996, wonach auch in der Schweiz humane Plazentae aus Kliniken an Hersteller von Tiermehl geliefert worden waren. Dort wurden die humanen Gewebe mit toten Haustieren gemischt und zu Tierfutter verarbeitet. Hierüber wurde bereits in der Zeitschrift "New Scientist" berichtet. Die Behörden aus Zürich bestätigten, dass ca. 820 kg von humanen Plazentae zwischen 1995 bis 1996 zu Tierfutter verarbeitet worden waren.

Ob diese Praxis auch in anderen Ländern bis zum Auftreten von BSE üblich war, ist nicht bekannt und lässt sich nur daher nur vermuten. Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich importierten in den 1960er und 1970er Jahren mehrere 100.000 Tonnen an Knochen, Knochenmehl und Gewebsteilen für die Herstellung von Tiermehl und Tierfutter. Über 50% kamen dabei aus Bangladesh, Indien und Pakistan, wo das Sammeln von Knochen in ländlichen Gebieten oder entlang der Flüsse seit langem eine Tradition darstellt. Im Hinduismus werden Tote in Flüssen bestattet. Oftmals erfolgt jedoch in Ermangelung von genügend Brennmaterial keine ausreichende Verbrennung der Toten vor der Wasserbestattung, so dass die Leichen in die Flüsse gelangen und dort verwesen. Statistisch versterben in Indien jährlich etwa 120 Menschen an der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung.

Die hier vorgestellte Hypothese sieht als Ursache für das Auftreten von BSE daher den Menschen. Die Forscher postulieren, dass Gewebe oder Knochen eines Patienten, der an einer transmissiblen Enzephalopathie (Prionenkrankheit) verstorben war, auf oralem Weg über kontaminiertes Tiermehl oder -futter vom Indischen Subkontinent in die Rinderpopulation in das Vereinigte Königreich gelangt ist und so die BSE-Epidemie ausgelöst hat. Unabhängig davon, ob die neue Hypothese wirklich zutreffend ist, wird hier eine ungewöhnliche Form des Umgangs mit menschlichen Überresten deutlich, die letztlich auch als eine Form eines indirekten Kannibalismus interpretiert werden könnte.

Die pessimistischen Vorhersagen über eine starke Zunahme von Erkrankungsfällen an der Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) im Gefolge der Epidemie mit der bovinen spongiformen Enzephalopathie sind zwar nicht eingetroffen, jedoch werden kontinuierlich Fälle aus verschiedenen Ländern gemeldet.

Die exakte Inkubationszeit ist derzeit weiterhin unklar. Ausgehend von einer Infektionshäufung im Vereinigten Königreich geht man derzeit von einer Inkubationszeit bei nahrungsmittelsassoziierter vCJK von 13 Jahren und bei auf dem Blutweg übertragenen von 6,5 Jahren aus. Die Unterschiede hinsichtlich der Inkubationszeiten erklären sich durch eine direkte Übertragung der Prionen in die Blutbahn oder aber einer Adaptation des Erregers an den Menschen, wodurch die Speziesbarriere nicht mehr durchbrochen werden muss.

Am 12.01.2005 sowie 10.06.2005 informiert das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) die Ärzte und Apotheker über einem Chargenrückruf zweier Gerinnungspräparate "Haemate HS/P 1000" der Fa. ZBL Behring (ehemals Centeon) sowie Faktor IX SDN Biotest 1000 IE der Fa. Biotest wegen einer nicht auszuschließenden Kontamination mit Prionen. Im ersten Fall (ZBL Behring) war im Jahr 1996 Plasma einer französischen Spenderin, die später an der Variante der Creutzfeld-Jakob-Erkrankung (vCJK) erkrankt war, in einen Plasmapool gelangt, der für die Herstellung eines plasmatischen Faktor VIII-Präparates verwendet worden war.

Beim zweiten Fall wurde in einer Jahr 2004 freigegebenen Charge eines plasmatischen Faktor IX-Präparates eine Plasmaspende eines an vCJK erkrankten französischen Spenders bei der Herstellung verwendet. Im ersten Fall waren von der möglicherweise kontaminierten Produktionscharge in Deutschland bereits 1.269 Packungseinheiten angewendet worden; im zweiten Fall wurden bis zum Chargerückruf bereits 430 Packungen verbraucht.

Für beide Fälle wurde vom PEI eine Risikokalkulation für die Empfänger dieser möglicherweise mit Prionen kontaminierten Plasmapräparate vorgenommen. Dabei wurde die Menge des verwendeten Plasmas des Spenders, die Größe des Plasmapools, in den die Einzelspende eingegangen war, die Menge an Plasma, das für eine Einzeldosis verarbeitet wurde, eine auf tierexperimentellen Daten basierende angenommene Erregerkonzentration sowie die experimentell untersuchte Kapazität für die Entfernung von Prionen bei den Reinigungsschritten für Faktor VIII bzw. Faktor IX-Präparat im Herstellungsverfahren. Ausgehend von diesen Variablen errechnet sich ein Restrisiko von 4,1 x 10-4 IE50proPackung bis 4,1 x 10-5 IE50proPackung für die betroffene Charge von Haemate HS/P 1000 sowie 3,31 x 10-6 IE50proPackung für Faktor IX SDN Biotest 1000 IE.

Nach der Beurteilung des PEI ist das Risiko einer Infektion auch für Patienten, die mehrere Packungen der möglicherweise kontaminierten Chargen erhalten hatten, gering. Ausgehend von einem Positionspapier des bei der Europäischen Arzneimittelagentur angesiedelten Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP) vom Juni 2004 stellt das PEI fest, dass auch bei der Verwendung des französischen Plasmas ein ausreichender Sicherheitsabstand gegenüber einer Infektion mit Prionen besteht.

In Ermangelung von diagnostischen Testsystemen, durch die eine vCJK-Infektion schon bei asymptomatisch Infizierten nachgewiesen werden kann, wird die Zeit zeigen, ob es nach der BSE-Epidemie, nun zu einer Zunahme von parenteral übertragenen Fällen von vCJK kommt.

März 2008

Weltweit werden etwa 200 Fälle von vCJD gezählt - die meisten davon in Großbritannien. Von weiteren Fällen wurde in Irland, Italien, Spanien, Hongkong, Japan, Kanada und den USA berichtet.

Februar 2011

Dr. Anne Balkeme-Buschmann aus dem Friedrich-Loeffler-Institut in Greifswald beschreibt die Maßnahmen zur Bekämpfung der Tierseuche BSE als sehr erfolgreich. Die BSE-Fälle sind in der gesamten Europäischen Union deutlich zurückgegangen. Nachdem in Deutschland in den Jahren 2008 und 2009 noch jeweils zwei Fälle diagnostiziert wurden, hat man im Jahr 2010 erstmals seit Beginn der aktiven BSE-Überwachung keinen Fall mehr festgestellt.“ Dr. Matthias Greiner vom Bundesinstitut für Risikobewertung betont, dass es, trotz der guten Entwicklung, keine Entwarnung für BSE gebe.

Autoren: Andreas Frädrich, ab 2005: Prof. Dr. Tino F. Schwarz, Facharzt für Labormedizin, Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Würzburg
Letzte Korrektur Oktober 2009: Dr. Andreas Nitsche Robert Koch-Institut, Zentrum für Biologische Sicherheit